Und hier für alle meine Freund_innen und Freunde noch ein Bild aus meinem schier unerschöpflichen Fundus an schönen Zugspitz-Ausblicken, aufgenommen am 7.1. 2013
Rückblick 2012 – Teil 3: IMS (#1)
Der IMS 2012 selbst, war inhaltlich, meiner Meinung nach, nur mäßig ergiebig, gleichwohl teils sehr interessant und mehr noch amüsant. So gab es z.B. ein sehr prominent und unterhaltsam besetztes Podium zum Thema Scheitern und Misserfolg in den Bergen wie in der Wirtschaft. Reinhold Messner referierte spannend über Misserfolge der Welt-Abenteurer-Geschichte, um letzlich in Beschimpfungen gegen ein Südtiroler Medienmonopol abzugleiten, Ex-Ski-Abfahrer Marc Girardelli sprach äußerst aufschlussreich von seinen sportlichen wie wirtschaftlichen Misserfolgen und wie er danach bzw. mitunter auch dadurch wieder Auftrieb fand, und Achttausender-Queen Edurne Pasaban inspirierte mit ihren Erfahrungen aus misglückten Expeditionen.
Die einzelnen Vorträge kann man sich hier anhören.
Ein anderer interessanter Kongress hatte zum Thema “Die Freiheit in den Bergen – die Freiheit der eigenen Entscheidungen” und sollte um das Themenfeld Bergsteigen und Gesellschaft, individuelle Freiheit und Sicherheit kreisen.
Der Moderator Alessandro Gogna, stellte in seiner Einleitung die Frage, ob das Bergfieber, das viele Alpinisten verfolgt, tatsächlich eine Form von
Freiheit, sondern nicht viel mehr eigentlich eine Form von Gefangenschaft ist. Er charakterisiert moderne Gesellschaften als “Sicherheitsgesellschaften”, attestiert ihnen sogar, es werde in ihnen Sicherheit durch Gesetze aufgezwungen. Das schlägt sich auch in der Bergwelt nieder. So werden in Italien aktuell Pläne diskutiert, wonach auf Ski-Pisten Ausweise verlangt werden sollten, die das Können der Ski-Fahrer bestätigten. Eine andere aktuelle Entwicklung, die der Thematik in gewissem Sinne zugrunde liegt, ist eine längere Debatte in Südtirol über rechtliche Belange des Winter- bzw. Bergsports und eine Verschärfung der gesetzlichen Lage beim Verursachen von Lawinen.(1)
Leider waren die Vorträge des Anthropologen und ehemaligem CAI-Präsidenten Hannibale Salsa, des Philosophen Giulio Giorello und zweier Rechtswissenschaftler eher unergiebig; der deutschen Synchron-Übersetzung war aber zugegebenermaßen auch nur schwierig zu folgen.
Ein wesentlich interessanterer Vortrag, und wahrscheinlich der hörenswerteste überhaupt auf diesem Kongress wurde dann aber von dem bekannten Extrembergsteiger und Arzt Oswald Oelz in deutscher Sprache gehalten.
Zwar teils etwas verworren und sehr emotional, wetterte er knallhart und sehr polemisch Continue reading
Zugspitze #5
Zugspitze #4
Rückblick 2012 – Teil 2: Everest-Saison
In vergangenen Jahr gab es so viele Tote am Mount Everest wie seit
1996 nicht mehr, was neben zuerst anhaltend ungünstiger Witterung wohl v.a. daran lag, dass der Andrang am Everest immer mehr zunimmt und dabei der Anteil an völlig unbedarften und unerfahrenen AspirantInnen enorm gestiegen ist. Die FAZ betitelte treffend den „Gipfel der Eitelkeiten“, 14-Achttausender-Sammler Ralf Dujmovits war entsetzt über die „menschliche Schlange“ von 600 „Hobby-Bergsteigern“, der Schweizer Extrembergsteiger Ueli Steck, der den Gipfel ohne zusätzlichen Sauerstoff und als einer der ersten im jenem Mai erreichte, sagte: „das war wirklich krass“.
Das Zeitfenster, das Besteigungen zulässt ist am Everest nur sehr klein, es sind ein paar Wochen im April und im Mai – bevor der Monsun beginnt -, in denen das Wetter dann auch stimmen muss. Das Gedränge war 2012 besonders groß, und lange Wartezeiten an Engstellen hatten wohl ihren Anteil an den hohen Opferzahlen, es kommt dort dann zu regelrechten Verkehrsstaus . In einem Video kann man die BergsteigerInnen wie an einer Perlenkette aufgereiht, in einer schier endlosen Schlange sehen.
In einem anderen sehr interessanten Interview im Schweizer Tagesanzeiger, spricht Ueli Steck auch über die anfängliche Auslassung 4 toter Sherpas in den Berichten über die Todesfälle.
Bemerkenswert: ein unterhalb vom Gipfel „Liegengebliebener“ überlebte 4 Nächte in der Todeszone und wollte bei seiner Bergung noch auf den Gipfel. (-> SPIEGEL)
In einem längeren, sehr lesenswerten Artikel mit dem Titel „Der Stau“ befasst sich der SPIEGEL ebenfalls mit den Geschehnissen, den fatalen Staus und den Bergungseinsätzen, dem Drumherum im Basislager, einigen unglaublichen Auswüchsen, z.B. dem New Yorker, der ein Fahrrad auf den Gipfel tragen wollte, einer Armprothese mit eingebautem Eispickel und anderen skurrilen Rekordversuchen.
Auch sehr lesenswert ist Jon Krakauers Buch „In eisige Höhen“. Es legt eindrucksvoll Zeugnis über den Massentourimus am Everest und die katastrophalen Geschehnisse der Expeditionen des Jahres 1996 ab, die denen des Mai 2012 teils erschreckend ähnlich sind, wie auch über die Charaktere, die es auf den Berg hinauftreibt:
»Unglücklicherweise sind gerade jene, die darauf programmiert sind, Schmerzen einfach zu ignorieren und immer weiter gen Gipfel zu steigen, regelmäßig auch darauf programmiert, die Zeichen großer, nahe bevorstehender Gefahren zu übersehen. Dem entspringt ein zentrales Dilemma, in dem sich jeder Everest-Bergsteiger irgendwann befinden wird: Nur wer extrem motiviert ist, kommt durch, aber wer übermotiviert ist, findet möglicherweise den Tod. Darüber hinaus wird in Höhen über 8000 Meter die Trennungslinie zwischen angemessenem Eifer und versessenem Gipfelfieber immer dünner. Kein Wunder also, daß die Flanken des Everest von Leichen übersät sind.«
Die Stimmen, die eine Begrenzung der Zahl an Besteigungen des Everest fordern, werden – auch nach den fatalen Ereginissen im vergangenen Mai – immer mehr. Für das wirtschaftlich arme Land Nepal sind die Gebühren, die für eine Besteigung zu entrichten sind allerdings eine immens wichtige Einnahmequelle, weshalb sich wohl auch in Zukunft nichts am Ansturm auf den Everest ändern wird.
Zugspitze #3
Rückblick 2012 – Teil 1: “Quo CLIMBis?”
Wie angekündigt beginne ich das neue Jahr mit einem kleinen Rückblick auf das Jahr 2012. Für mich sind ja nun weniger konkrete Expeditionen, Gipfelerfolge, Tourenberichte – seien es eigene oder die von anderen – interessant, und schon gar nicht Berichte über irgendwelche Bergregionen, in denen man besonders gut wandern oder klettern kann, sondern mich interessieren vielmehr Medien, Geschichten und Ereignisse, in/bei denen sich Menschen über die Natur oder die Berge bzw. ihr Verhältnis zu ihnen äußern. Deshalb wird der International Mountain Summit (IMS), der im Oktober 2012 in Brixen zum vierten Mal stattfand relativ viel Raum in diesem Rückblick einnehmen. Der Gipfel versammelte wieder einige Größen der Bergsport-Szene sowie ein sehr unterschiedlich großes (Fach-)Publikum, um aktuelle und wichtige Themen zu diskutieren, ins Gespräch zu kommen und ein gutes Maß sich selbst zu feiern. Deshalb also eine etwas verspätete Nachlese.
Doch zunächst ist zu erwähnen, dass im April 2012 in Reinhold Messners Berg-Museum in Schloss Firmian unter eben seiner Schirmherrschaft und unterstützt durch den IMS ein äußerst bemerkenswertes und man könnte wohl auch sagen: exquisites Treffen von Spitzenalpinisten und JournalistInnen unter dem Motto “Quo CLIMBis?” stattfand, bei dem es darum ging die Zukunft des Alpinismus zu diskutieren. Zu Gast waren u.a. bekannte Bergsteiger wie Hanspeter Eisendle, Roger Schäli und Hervé Barmasse.
Seine Position hat Messner für Lesefaule extra zusammengefasst und man kann sie sich hier anhören. Auf der Tagung übte Messner als Moderator (und offenbar gleichzeitiger Referent) scharfe Kritik an den Alpenvereinen. Sie hätten unermüdlich die Erschließung der Alpen vorangetrieben, zudem sprach er erneut die nationalsozialistische Vergangenheit des DAV an, als dieser Juden den Zugang zu seinen Hütten verwehrt hat, der Verein sei ein “Meister des Aussperrens”. (1) Außerdem kritisierte er den Everest-Tourismus, der 2012 tatsächlich bisher nie dagewesene Ausmaße annahm und – als hätte er es geahnt – katastrophale Folgen zeitigte, worauf ich im nächsten Artikel noch eingehen werde. Messner sprach in diesem Zusammenhang auch von “parasitärem Alpinismus”. Das Fazit dieser Tagung lässt sich wohl wie folgt zusammenfassen: “Der Berg muss wild bleiben”. (2) 
So richtig seine Kritik und seine Analyse der von mir bereits angesprochenen, widersprüchlichen Politik des DAV ist, so gravierend falsch ist sein Verständnis von Alpinismus. Dieser fange an, wo der Tourimus aufhöre. Messner beklagt genau wie seine zur Tagung geladenen Freunde die Bannung der Gefahren und die Zerstörung der Wildnis in den Alpen wie in den Bergen schlechthin.
Continue reading
Zugspitze #2
DAV – da geht noch was!
Wieder ist ein Jahr rum und ein neues beginnt – Zeit also für Rück- und Ausblicke.
Nach einigen Wochen ohne Internet geht es nun weiter mit dem Blog.
Und nach einem Jahr scheint beim DAV alles beim alten geblieben zu sein… Fast! Zwar prangt auf seiner Homepage immernoch der unten bereits zitierte fantastische Slogan, in dem die ganze Widersprüchlichkeit des DAV auf den Punkt gebracht zum Ausdruck kommt…
Neu ist allerdings scheinbar und auch einfach wunderbar: ein “Image-Spot” des DAV, der seinen Ansatz nochmal bildhaft verdeutlicht. Man darf gespannt auf die neue Mitgliederzahl warten – vor einem Jahr war sie jedenfalls auf Rekordhöhe, und die Tendenz dürfte weiter ansteigend sein…
“Wir sind viele (und wir werden immer mehr).
Wir lieben die Berge (und strömen in sie hinein).
Wir schützen die Natur (indem wir mit immer mehr Menschen in sie hineinströmen).”
Ihr seid viele, ihr seid krass!
DAV – da geht noch was!
Allerdings nunmehr ohne mich, da ich selbst kein Mitglied mehr bin.
Für’s neue Jahr jedenfalls habe ich mir ja nicht nur Zugspitz-Ansichten vorgenommen, sondern auch Inhalte. Neben einem geplanten kleinen Rückblick auf die wichtigsten Ereignisse und Entwicklungen des vergangenen Jahres soll es hier demnächst noch eine verspätete Nachlese zum International Mountain Summit 2012 geben, dem ich letzten Oktober in Brixen beiwohnen durfte und bei dem wie schon 2011 wieder teils interessante Themen diskutiert wurden.
Außerdem geben das Panorama und diverse Organe anderer Alpenvereine – aktuelle wie auch ältere – immer wieder einigen Stoff für interessante Artikel her. Außerdem natürlich das Internet!





