“Urlaub wird zur Flucht vor dem Arbeitsstress”

Eine Studie kommt zu sensationell neuen Ergebnissen: »Der wachsende Druck in der Arbeitswelt« mache den Urlaub »immer mehr zum unverzichtbaren Gegengewicht zum Burnout-Syndrom und die zunehmende „Virtualisierung“ verstärkt den Wunsch, im Urlaub das „authentische Erlebnis“ zu finden.«

Die Studie, für die im Auftrag der Europäischen Reiseversicherung 1000 Österreicher_innen befragt wurden, präsentiert altbekanntes im nicht mal neuen Gewand, aktualisiert höchstens in der Bezifferung.

Deutliche Verschiebungen zeichnen sich unter dem Druck der Arbeitsverhältnisse bei den Urlaubsmotiven ab. Für fast 90 Prozent der Befragten ist die „Work-Life-Balance“ – die Ausgewogenheit von Arbeit und Erholung – wichtig…

Die Mehrheit der Befragten empfindet, der Arbeitsstress habe zugenommen. Wer hätte das gedacht?

Spannend wird es, wenn konkrete Motive genannt werden:

Auf die Frage, welche Reisemotive bis 2020 zunehmen würden, Continue reading

Wagner zum Geburtstag

Bayreuth 2013 – Da steckt Wagner drin!” – Unter diesem Motto feiert Bayreuth mit einem vielfältigen Programm den großen Komponisten Richard Wagner, dem die Stadt ihre weltweite Bekanntheit zu verdanken hat.

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Wagner hier, Wagner dort. Nicht zu übersehen – Wagner ist eine echte Kultfigur. Und das wohl schon seit seinen Lebzeiten.

Er war mit Nietzsche der große Erneuerer des Mythos. Versierter Bergwanderer mit starker Sehnsucht nach Natur, holte er sich Inspiration für seine Opern u.a. in den Bergen der Schweizer Alpen. Er war ein Verächter der Dekadenz der bürgerlichen Gesellschaft, deren eifriger Anhänger er war. Die Arbeiter verachtete er ebenso. Wodurch er aber auch zum Idol der völkischen und Antisemitischen Bewegung wurde: noch mehr verachtete, hasste er Juden. Sein rassisch begründeter, in Vernichtungswünschen gipfelnder Antisemitismus, spiegelt sich auch in seinem Werk wieder. Doch davon will die deutsche Feiergemeinschaft nichts wissen. Zumal im Wagner-Festjahr. Zumal heute.

Da ich einen eigenen längeren Beitrag zum Wagner-Festjahr ja leider schuldig geblieben bin (und wohl auch bleiben werde) möchte ich aus Anlass seines heutigen 200. Geburtstages auf einen sehr lesenswerten Artikel aus der ZEIT hinweisen. Politikwissenschaftler Matthias Küntzel schreibt dort in einem “Ausnüchterungsversuch”…

Am 22. Mai, dem 200. Geburtstag des Komponisten, möchte man einen der wirkungsmächtigsten Antisemiten des 19. Jahrhunderts mit Sonderbriefmarken, Zehn-Euro-Münzen, Denkmalenthüllungen und Festveranstaltungen ehren. Die meisten Wagner-Verehrer ignorieren seinen Judenhass, weil sie ihr Bild vom Genie nicht beschmutzen und ihr heiliges Wagner Unser nicht infrage stellen wollen. Sie schwören auf “die Droge Wagner” und folgen allzu gern der Empfehlung des Politikwissenschaftlers Udo Bermbach, Wagner “nur als Künstler (zu) nehmen” und “seine Weltanschauung in die Versenkung (zu) bringen”.

Wenn die Judenfeindschaft des “Meisters” doch einmal zur Sprache kommt, wird sie als Marotte behandelt, die ein bisschen peinlich und merkwürdig, aber durchaus nicht ernst zu nehmen sei…

Zum ganzen Artikel: “Arien für Arier”

Wagner-Festjahr 2013 in Dresden

Auch in Dresden.

Everest – Ereignisreicher Saisonstart

Ende diesen Monats jährt sich die Erstbesteigung des Mount Everest zum 60. Mal und es zeichnet sich ab, dass nach dem katastrophalen letzen Jahr wieder eine ereignisreiche Everest-Saison begonnen hat. Bereits der Feiertag 8. Mai war ein kleiner Jahrestag – der 35. der ersten Besteigung des Everest ohne künstlichen Sauerstoff durch Peter Habeler und Reinhold Messner. Hier gibt es ein sehr lesenswertes Interview mit Habeler sowie dem damaligen Expeditionsleiter Wolfgang Nairz. Drei Tage später stand damals außerdem Reinhard Karl als erster Deutscher Bundesbürger, zusammen mit Oswald Oelz auf dem Everest – zwei der faszinierendesten Bergsteiger-Persönlichkeiten, wie etwa auch auf dem blog Abenteuer Sport zu lesen ist. (1)

Steck und Moro am Everest angegriffenUeli Steck

Es ist nun schon einige Tage her, dass Ueli Steck und Simone Moro am Mount Everest von einer Menge aufgebrachter Sherpas angegriffen wurden, nachdem sie Eischlag ausgelöst haben sollen, während sie einige beim Verlegen von Fixseilen tätige Sherpas überholt hatten.

In einem Interview mit dem SPIEGEL schilder Steck die Situation so:

“Uns wurde vorgeworfen, einen Eisschlag ausgelöst zu haben, ein Sherpa soll dadurch verletzt worden sein”, sagt Steck. “Das ist Quatsch, wir haben keinen Zentimeter Eis losgetreten.” Continue reading

Auf den Bergen ist Freiheit…

… und im Tal gibt’s das gute Essen, wusste bereits der alte Schiller zu sagen, oder so ähnlich zumindest. Auf jeden Fall ist keine Freiheit ohne Notwendigkeiten zu haben. Goethe war, glaube ich, in dieser Hinsicht (Einsicht) schon ein Stück weiter als Schiller. Wie dem auch sei… In der Regel gibt es jedenfalls im Tal das gute Essen und, allgemein gesprochen, die materielle Grundlage, die man im gesellschaftlichen Normalfall durch den Verkauf der eigenen Arbeitskraft zu produzieren hat, bei gleichzeitiger Entäußerung ihres Mehrprodukts an den Käufer der Arbeitskraft – und fast ist man geneigt hinzuzufügen: natürlich! Denn als natürliche Gegebenheit erscheint es einem. Das ist zwar schlimm, aber leider nicht zu ändern. Ich weiß, eigentlich sollte es anders herum sein: Continue reading

Natur in der Werbung #2

»Das Schema der odyseeischen List ist Naturbeherrschung durch solche Angleichung.« (1)

Es ist zwar keine gute Methode, aber es passt einfach so gut: Dämliche Werbung mit Zitaten aus der Dialektik der Aufklärung denunzieren – oder anders herum: die Dialektik der Aufklärung mit dämlicher Werbung vermitteln.

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Aus: Panorama 5/2012, S. 21

Mimesis war das Wort, das Horkheimer und Adorno für Anpassung an die Natur benutzten, für eine Urform menschlichen Handelns also, die instinktgeleitet und reflexhaft erfolgte, weshalb insofern der Begriff Mimikry adäquater gewesen wäre, worauf auch Dirk Lehmann in seinem sehr lesenswerten Text “Denken im Schatten der Selbsterhaltung” in der Zeitschrift Prodomo hinweist: »Intentional zwar gegen die Natur gerichtet, ist sie [die Mimesis; ND] ihr aber nicht vollständig entgegen gesetzt. Mimetisches Verhalten richtet sich mit der Natur gegen diese. Sachlich richtiger müsste in dieser Hinsicht eher von Mimikry denn von Mimesis gesprochen werden. Mimikry meint schließlich einen instinktgeleiteten Reflex, ein Angleichen an Natur ob eines biologischen Reaktionsvermögens

Doch blieb die Entwicklung nicht an diesem Punkt stehen. Lehmann formuliert das mit Blick auf die Genese begrifflichen Denkens, Continue reading

Natur in der Werbung

“Powered by nature” “und der Alltag bleibt auf der Strecke”:Powered by Nature

Adorno und Horkheimer haben es auf den Punkt getroffen, wenn sie in der Dialektik der Aufklärung ein Moment des gesellschaftlichen Naturverhältnisses beschrieben, wie es heute immer noch erstaunliche und erschreckende Aktualität besitzt:

“Natur wird dadurch, daß der gesellschaftliche Herrschaftmechanismus sie als heilsamen Gegensatz zur Gesellschaft erfaßt, in die unheilbare gerade hineingezogen und verschachert.”

"Ich liebe Natur"

Zum Thema: Ware…

…habe ich noch eine der letzten Ausgaben des innerhalb des Panorama erscheinenden jdav-Magazins “Knotenpunkt” gefunden, das auf das Thema eingegangen ist, wenn auch nur äußerst unbefriedigend, was aber wohl der Form des Magazins geschuldet ist. Allerdings erschien es unter einer, wie ich finde, sehr passenden Titelseite, die sich an die Werbe-Anzeigen von Globetrotter anlehnt. Allerdings sind das einzig erwähnenswerte an dieser Ausgabe leider tatsächlich die Bilder – außer dem cover gab es noch eine ziemlich beschränkte Karikatur (u.a. ein dickleibig stilisierter Firmen-Chef, wie ihn ein PDS Ortsgruppen-Pamphlet jeder x-beliebigen sächsischen Provinz nicht schlimmer hätte darstellen können). Die Knotenpunkt-Ausgabe findet man hier.

Knotenpunkt 5 / 2012

Träume…

…als Warensammlungen.

Mittlerweile schon ein Klassiker und aus Zeitschriften wie Bushaltestellen nicht mehr wegzudenken: Die Anrufung – oder Erweckung – von Träumen, zerfallen in die jeweils einzelnen Waren – oder die Ware und ihre Sammlung als der einzelne und der allgemeine Traum in der Gesellschaft, deren Reichtum als ungeheure Warensammlung erscheint…

Träume...

Aus: ALLMountain, 5/2012

Zum Thema: Winterbergsteigen…

… habe ich schönes gefunden, das ich dem Internet nicht vorenthalten will. Als in den Alpen die Ziele und d.h. nicht nur die Gipfel, sondern später auch die Routen zu diesen Gipfeln – oder kurz gesagt: die Herausforderungen – ausgingen, kam es zu neuen Entwicklungen, neuen, herausfordernderen  Formen des Alpinismus. Der Geschwindigkeitsalpinismus entstand und bald auch der Winteralpinismus. Man spricht bei letzterem sogar teilweise von einer zweiten Erschließung der Alpen. Und die ist noch lange nicht abgeschlossen, denn es sind noch viele Gipfel übrig, die noch nicht im Winter bestiegen wurden, so etwa auch der Achttausender Nanga Parbat. An ihm ist in diesem Winter, wie im vorletzten Artikel bereits erwähnt, das Winterbergsteigen in seiner derzeit verwegensten Form betrieben worden. Bereits Anfang Januar war dort, wie ich erst jetzt festgestellt hab, eine Expedition [Vorsicht! Reinhold Messner lauert hinter dem Link!] der zwei bekannten Alpinisten Denis Urubko und Simone Moro gescheitert: »“Die Natur war stärker als wir”, sagen die Bergsteiger

Der wohl jetzt schon legendäre Meteorologe Karl Gabl, der zahlreiche Himalaya-Expeditionen fachlich betreut(e), äußerte sich gegenüber dem Deutschlandfunk zur Frage nach dem Warum…

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Hiphop in da hood of Nanga Parbat

Wand-Blogger hat Oswald Oelz solche Leute genannt…  Zwei Ideal-Typen von ihnen aus Polen, die sich an der Rupal-Wand am Nanga Parbat versucht haben – leider erfolglos – lassen sich jetzt in einem Hiphop-Video bewundern, das sie aus den Helm- & Teleskoparm-Kamera-Aufnahmen ihrer Begehung geschnitten haben. Es steht wohl zu befürchten, dass sie dafür eigens ein Netbook mit hoch geschleppt haben, um noch vor Ort die Bilder schneiden und möglichst zeitnah ihren “Appetizer” präsentieren zu können. Aber ich ahne ohnehin, diese Typen haben auch in der Todeszone mit 20kilo-Rucksäcken im Winter noch ihren Spaß!

Ihr Freaks!!!!

Das Video gehört aber hier auf jeden Fall her:

http://vimeo.com/60282170