Wort zum Sonntag #2

Weil zur Zeit außer dem üblichen Winterbergsteigen (in aktuell verwegenster Form am Nanga Parbat) nichts passiert, hier wieder ein Bisschen Lyrik, ein Auszug aus dem unendlichen Gedicht “Die Alpen”, Albrecht von Haller, 1729:

Verblendte Sterbliche! die, bis zum nahen Grabe,
Geiz, Ehr und Wollust stets an eitlen Hamen hält,
Die ihr der kurzen Zeit genau gezählte Gabe
Mit immer neuer Sorg und leerer Müh vergällt,
Die ihr das stille Glück des Mittelstands verschmähet
Und mehr vom Schicksal heischt als die Natur von euch,
Die ihr zur Notdurft macht, worum nur Torheit flehet:
O glaubts, kein Stern macht froh, kein Schmuck von Perlen reich!
Seht ein verachtet Volk zur Müh und Armut lachen,
Die mäßige Natur allein kann glücklich machen.

Das vollständige Gedicht findet man u.a. hier: http://gedichte.xbib.de/Haller_gedicht_104.+Die+Alpen.htm

Zum 13. Februar: Richard Wagner

Richard_Wagner_by_Caesar_Willich_ca_1862Da Richard Wagner durch das „Wagner-Jahr“ 2013 ja quasi das ganze Jahr über Konjunktur hat und morgen sein 130. Todestag ist, erscheint hier Wagner selbst, wie er 1852 nicht nur seiner Enttäuschung nach den erfolglosen revolutionären Bestrebungen dieser Zeit, sondern im Grunde seinem gesamten, im Vernichtungsantisemitismus gipfelnden Denken Ausdruck verleiht (Dies auch als Vorgeschmack auf einen Text, der hier und evtl. auch noch anderswo im Laufe des Frühjahrs erscheinen wird):

»Meine ganze Politik ist nichts weiter mehr als der blutigste Haß unsrer ganzen Zivilisation, Verachtung alles dessen, was ihr entsprießt und Sehnsucht nach der Natur. […] Daß ich je etwas auf die Arbeiter, als Arbeiter, gab, muß ich jetzt empfindlich büßen: mit ihrem Arbeitergeschrei sind sie die elendsten Sklaven, die jeder in die Tasche stecken kann, der ihnen heute recht viel ‘Arbeit’ verspricht. In allem wurzelt bei uns der Knechtssinn: daß wir Menschen sind, weiß keiner in Frankreich, außer höchstens etwa Proudhon – und auch der nur unklar! – im ganzen Europa sind mir die Hunde lieber als diese hündischen Menschen. An einer Zukunft verzweifle ich dennoch nicht; nur die furchtbarste und zerstörendste Revolution kann aus unsern zivilisierten Bestien wieder ‘Menschen’ machen.« (1)

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Über Klettern, Natur und die Outdoor-/Auto-Industrie.

Klettern boomt wie noch nie. Warum ist das so? Und ist das nur ein kurzlebiger Trend? Oder ein nicht mehr wegzudenkender Teil unserer Freizeit?

Lang und breit wurde bereits in verschiedensten Medien darüber berichtet. Ein weiterer Beitrag zu dem Thema kann aber trotzdem nicht schaden. Denn dem Sachverhalt wird meist nicht so richtig auf den Grund gegangen…

»Ist der Outdoor-Boom eine „Blase“?« fragte etwa auch Klaus Haselböck im Outdoor-Magazin „Land der Berge“, deren Chefredakteur er ist, in Ausgabe 5/2012, relativiert aber sofort wieder mit unübertroffenem ökonomischen Sachverstand: »Das Interesse an „Natursportarten“ wie Klettern, Wandern oder Trailrunning ist weiter überproportional steigend und der Imagewert dieser einst elitären Nische wächst und wächst. Zudem wird in wirtschaftlich durchzogenen Zeiten [?] vor allem das, was man vor Ort mit dem Mountainbike, zu Fuß oder im Kajak machen kann, umso mehr geschätzt und verstärkt betrieben. Und dann wird auch neues Equipment wieder reizvoll. Dazu kommen mit Russland und Asien neue Märkte, und mit Frauen und Kindern neue Zielgruppen. Solange Euros und Dollars im Umlauf sind und sich die Branche ihre Innovationskraft erhält, wird das Thema Outdoor wirtschaftlich gesehen ein starker Trend bleiben. Und emotional müssen wir uns angesichts einer Menschheitsgeschichte, die hunderttausende von Jahren „outdoors“ stattgefunden hat [!], ohnehin keine Sorgen darum machen.« (Land der Berge, 5/2012)

Was er hier wohl andeuten wollte ist: In Krisenzeiten gesellt sich zu der ohnehin vorhandenen Sehnsucht nach Natur und Ursprünglichkeit, nach Einfachheit und Konkretheit als Gegenpolen zur abstrakten, hektischen, Continue reading

ISPO 2013

As the most important sports and outdoor-industry fair, ISPO, is currently taking place in Munich, I was wondering if it might have been a regrettable mistake to not having at least tried to visit the event. There are several reasons. Take alone the irresistible description of the event:

For over 40 years the global leader has provided a comprehensive overview of the entire range of sporting goods, athletic footwear and fashions, as well as the latest trends from these segments. Year for year the custom-tailored trade show concept with special communities and authentic side events guarantees a very unique, personalized and communication-rich atmosphere. As the only multi-segment trade show the event also offers its participants an opportunity to discover discipline-overlapping synergy and cross-selling potential, as well as recognize new segments and trends in advance. Thanks to close cooperation with the industry ISPO can identify market requirements and offers international sports business professionals the best possible presentation and networking platform at ISPO MUNICH.

The event is subtitled accordingly: “SPORTS.BUSINESS.CONNECTED” (By the way: can’t.you.marketing.experts.imagine.slogans.without.dots.?) So, being a guarantee for having some fun, ISPO would have been that event for me,  after getting jobless once again and in urgent search for means of killing time. So I not only found the idea pleasing to experience the atmosphere of this great event and maybe listen to some more or less interesting speeches, take some revealing photos that I could use here to ridicule the companies as well as their clients as well as their promoters (and by that, granting this blog photo-material for months, if not years), not to forget collecting loads of give-aways including litres of sparkling vine, of course. Continue reading

Zugspitze #7

Dear Friends! Hier meine vorerst letzten beiden Fotos von der Zugspitze (da ich, wie einige von euch sicher schon wissen, nicht mehr in der Region weile). Das eine morgens, das zweite mittags. Schön mit Heiligenschein/Ufo 😉

Rechts, das ist übrigens, wie auf allen Bildern, die Mieminger Kette und davor die Sonnenspitze. Man beachte ihren Schattenkeil überm Tal im zweiten Bild und die schönen Wolken im Karwendel (rechts). Auf Anfrage gibt’s auch lustige Porträts von mir in Arbeitskluft vor der Kulisse 😉

zugspitze 150113

zugspitze 150113_mittagAufgenommen am 15.1. 2013

DAV – da geht noch was! #2

Anfang des Jahres 2013 gibt es wieder Neues vom DAV!

Nicht nur kommt das Magazin Panorama in neuem Design. Der DAV hat jetzt auch ein neues Leitbild, das bei der Jahreshauptversammlung Anfang November 2012 verabschiedet wurde.

Ich will hier nur kurz die schönsten Passagen erwähnen:

 »Seiner Rolle als Bergsport- und Naturschutzverband wird der DAV durch eine kontinuierliche Abwägung zwischen dem Schutz der Natur und den Interessen der Bergsportlerinnen und Bergsportler gerecht.«

»Zentrale Werte des DAV sind Freiheit, Respekt und Verantwortung.«

»Der DAV beansprucht, die führende Informationsquelle zum Bergsport und Alpinismus in Deutschland zu sein. Diesem Anspruch wird er mit Fachkompetenz und Aktualität gerecht. Der DAV ist Meinungsbildner, bezieht Stellung, setzt Standards und dokumentiert Fakten. Die Kommunikation des DAV ist geprägt von Wertschätzung, Offenheit und Transparenz.«

Der DAV will also Führer werden, zumindest was Informationen angeht… Manches klingt vielleicht wortgewaltig, aber insgesamt kann das Leitbild wohl für alles und nichts herhalten – kein Wunder, muss man doch 335 Sektionen unter einen Hut bringen. Ein Bisschen wie ein Bundesparteitag halt…

Neu ist außerdem die Marke „Alpenvereinshütten“, die darüber Auskunft gibt, dass auch Bergunterkünfte nicht mehr ohne Normierung und Qualitätsmanagement auskommen. Interessant: In dem darüber berichtenden Artikel der neuen Panorama-Ausgabe werden die Kosten der Hütten beschrieben:

»Rechnet man solche Investitionen [für Wasseraufbereitung und Energieversorung; d.V.] betriebswirtschaftlich um, kostet beispielsweise ein Liter Trinkwasser auf mancher Hütte ohne Quelle bis zu fünf Euro für die Bereitstellung – verkauft wird der Liter Tee aber für drei Euro. … Freilich wollen sich die Alpenvereine keine goldene Nase verdienen mit ihren Hütten, sondern nehmen diese Kosten-Einnahmen-Schere bewusst in Kauf, um ihren Mitgliedern das Berg- und Hüttenerlebnis zu zumutbaren Preisen zu ermöglichen.«

Und davon profitiere sogar ich als Nicht-Mitglied! An dieser Stelle gebührt es sich also, mal eines zu sagen: Danke für Tee unter drei Euro auf 195 bewirteten DAV-Hütten!

Außerdem gibt’s im neuen Panorama einen Bericht über Kletterhallen und das dort sich abspielende Vereinsleben. Ein Thema, das mich in einem meiner nächsten Artikel auch beschäftigen wird.

Erwähnenswert ist noch die Aussage von Martin Eberharter, Geschäftsführer der Bergrettung Tirol, im Knotenpunkt-Artikel über die Bergrettungs-App (ja, richtig gelesen!), dass die bergsportlichen Zeitgenossen »besser aufgeklärt über alpine Gefahren und auch besser ausgerüstet« sind. Erschreckend sei allein die körperliche Verfassung, in der sich manche in die Berge begeben, denn: »Die meisten Unfälle passieren durch Unachtsamkeit und Ermüdung«, wobei Wanderungen ebenso sehr betroffen seien wie Hochtouren. Womit wir wieder beim Thema Risiko und Verantwortung wären…

Zur „Notfall-App Begrrettung Tirol

Rückblick – Teil 4: IMS (#2)

Meine Nachlese greift nunmehr zurück sogar noch über das Jahr 2012 hinaus. Ich möchte hier noch auf den IMS 2011 eingehen und zwar aus dem einfachen Grunde, weil dort drei überaus spannende und lehrreiche Diskussionen geführt wurden, die zudem thematisch auch anschließen an meine letzten Artikel. Die erste drehte sich um das Thema Berge und Medien, Titel: „Showbühne Berg“. Das Podium ist hauptsächlich mit Männern aus den Medien besetzt: Erwin Brunner (Chefredakteur National Geographic), Bene Benedict (Chefredakteur Alpin), Giorgio Vivalda (Verleger und Filmproduzent) und Christoph Engl (Jurist, Südtirol-Marketing).

Die Diskussion beginnt Moderator Florian Rudig mit der Frage, ob es eine Art von “Showalpinismus” gibt und wenn ja, wo dieser anfängt. Das Podium ist sich jedoch relativ einig, dass die Show zum Alpinismus, wie zu jeder anderen Sportart auch, einfach dazugehört – man rede ja auch nicht vom “Show-Radfahren”, meinte etwa Christoph Engl. Man ist sich auf dem Podium jedoch mit Reinhold Messner, der via Audio-Beitrag zu Wort kam, weitgehend einig in der Forderung, bei Filmen oder anderen Medien kenntlich zu machen, ob diese eine sportliche Leistung, eine Expedition, etc. dokumentieren oder ob sie teils oder vollständig gespielt sind und nur bzw. vornehmlich der Unterhaltung dienen. Continue reading